Was erwartet mich in der Wohngruppe?

Stimmen von Teilnehmer/innen

Ein Gespräch zwischen den Teilnehmer/innen Claudia sowie Stefan mit einem ifas-Mitarbeiter über ihre Erfahrungen in der Wohngruppe STRUKTUR.

Wie seid Ihr zu ifas gekommen?
Claudia: Durch einen Klinikaufenthalt in Hildesheim. Die Sozialarbeiterin hat mir das Betreute Wohnen vorgeschlagen. Ich fand das erst mal ganz interessant und wollte es mir auch gleich angucken.
Stefan: Das war bei mir etwas anders, meine Eltern waren mit mir beim Jugendamt, weil es zuhause immer nur Streit gab. Die haben dann vorgeschlagen, dass ich mir die Wohngruppe mal angucke.

Was war der Grund für Deinen Einzug in die Wohngruppe STRUKTUR?

Claudia: Nach meinem zweiten Klinikaufenthalt und zusätzlicher familärer Problem, wusste ich, dass ich nicht mehr nach Hause zurück gehe. Ich brauchte einfach eine räumliche Trennung zu meinen Eltern, um an meinen Problemen arbeiten zu können. Andererseits konnte ich mir auch noch nicht vorstellen, ganz allein zu wohnen.
Stefan: Wie gesagt, zuhause gab es immer Streit, weil ich nicht mehr zur Schule gegangen bin, eigentlich nirgends mehr hin. Ich war halt viel am Spielen, Computer meine ich. Ich wollte ehrlich gesagt auch erst nicht in die Wohngruppe, ich fand ja die Schule schon schlimm genug. Aber ein bißchen habe ich auch eingesehen, dass es so nicht mehr weitergeht. Aber ich hatte auch große Angst davor

Wie bist Du aufgenommen worden?
Claudia: Gut, die Betreuer und die Mitbewohner waren alle sehr nett. Klar, es ist auch erstmal schwierig. Ein neues Umfeld, eine völlig neue Situation. Aber man wird nicht allein gelassen damit. Ich wurde gut aufgenommen.
Stefan: Ja, doch, das fand ich eigentlich auch. Aber trotzdem hatte ich ganz schön Schwierigkeiten mit dem Ankommen. Ich hab mich erstmal viel in mein Zimmer zurück gezogen, die Betreuer mussten mich immer wieder ansprechen und runterholen. Irgendwann ging das aber auch besser.

Wie kann man sich den Einstieg in den Alltag der Wohngruppe vorstellen?
Claudia: Man bekommt die Regeln der Wohngruppe erklärt und die Hausordnung ausgehändigt. Dann wurde mir auch ein Zimmer zugeteilt. Die sind in der Wohngruppe alle recht ähnlich gestaltet mit einem Schrank, einem Schreibtisch und einem Bett, etc. Die Betreuer zeigen dann, wo sich was befindet. Also, wo die Küche ist, das Bad und wie die Putzdienste geregelt sind. Man wird anderen Mitbewohnern bei einem WG-Treffen vorgestellt, dass einmal die Woche stattfindet. Bei diesem Treffen wird dann auch festgelegt, wer welche Dienste übernimmt, wer Einkaufen geht und so. Man muss aber nicht gleich voll einsteigen, sondern kann sich eine Woche angucken, wie das läuft usw. Die Betreuer stellen sich auch vor und erklären die Abläufe und worauf man achten muss. Wenn Probleme auftauchen, kann man mit den Betreuern darüber reden und versuchen, eine Lösung zu finden. Einmal in der Woche hat man, neben anderen Terminen, einen festen Gesprächstermin mit einem Betreuer. Hier geht es dann um den Alltag der Wohngruppe, meine Probleme oder wie es gerade beruflich läuft. Am Anfang sind das viele Informationen. Aber mit der Zeit wird es einfacher.
Stefan: Für mich war das irre anstrengend. Ich mein', ich musste mich vorher um nichts kümmern, das haben alles meine Eltern gemacht. Total gut fand ich, dass man gleich einen Bezugsbetreuer bekommt, der nochmal speziell für einen zuständig ist. Das hat es mir einfacher gemacht, mich zurechtzufinden.

Worum geht es Deiner Ansicht nach bei der Wohngruppe STRUKTUR?
Claudia: Dass man sich eine Struktur im Alltag aufbaut, mit der man dann individuell gut zurecht kommen kann. Und wenn es mal nicht so gut läuft, zu wissen, wo man Hilfe und Unterstützung erhält. Insbesondere in einer persönlichen Krisensituation ist das total wichtig. Man lernt, sich selbst zu helfen.
Stefan: Aber auch dass man mit den anderen Jugendlichen zusammen lebt, ich habe da gelernt, mich auch in schwierigen Situationen so zu verhalten, dass es für mich eine gute Lösung gab. Zum Beispiel einem Streit nicht einfach aus dem Weg zu gehen, sondern anzusprechen, wenn mich was stört.

Wie schätzt Du die Unterstützung seitens der Betreuer/innen ein?
Claudia: Sehr gut. Wenn ich ein Problem hatte, konnte ich gut mit ihnen darüber reden. Sie haben Verständnis gezeigt und mir immer verschiedene Möglichkeiten aufgezeigt, einen Umgang mit der Situation zu finden. Manchmal ist auch wichtig, die Gedanken zu sortieren und nicht alles auf einmal zu bearbeiten. Aber das muss man auch üben, dass geht nicht einfach so. Die Betreuer haben mich dabei unterstützt.
Stefan: Das stimmt, die Betreuer sind immer für einen da. Gut fand ich auch, dass sie mich auch angesprochen haben, wenn sie gemerkt haben, dass es mir nicht so gut ging oder ich ein Problem mit mir rumgetragen habe. Ich konnte das anfangs nicht so gut, auf jemanden zugehen, wenn ich Unterstützung brauche.

Was hat Dir genau geholfen? Und wie lange hat die Maßnahme gedauert?
Claudia: Die Maßnahme hat bei mir dreieinhalb Jahre gedauert. Das ist aber auch immer unterschiedlich. Mir hat geholfen, dass ich darin bestärkt wurde, das zu machen was ich wollte und Unterstützung bekommen habe, das auch umzusetzen. Das darf man sich aber nicht so einfach vorstellen. Rückschritte gehören auch dazu. Das war sehr anstengend. Ich war froh, dass ich direkte Hilfe hatte. Ich habe mich vestanden gefühlt und habe angefangen, gemeinsam mit den Betreuern realistische Ziele zu setzen. In diesem Zusammenhang ist der Satz "step by step" also Schritt für Schritt ein sehr häufig genannter Satz von den Betreuern. Im Prinzip habe ich gelernt, nicht alles auf einmal bearbeiten zu wollen. Ich habe auch begleitend eine Therapie angefangen. Die Betreuer haben mich unterstützt, Therapieziele zu erreichen und sog. Skills anzuwenden.
Stefan: Mir hat es auch geholfen, dass sie mich gerade in der ersten Zeit oft begleitet haben und später dann Situationen, vor denen ich Angst hatte, mit mir vorbesprochen und durchgespielt haben. Anfangs ist mir das schwer gefallen, diese Hilfe anzunehmen, ich habe mich dann gleich unter Druck gefühlt. Aber mit der Zeit habe ich es immer besser geschafft, mich auch selbst an die Betreuer zu wenden, wenn es eng wurde. Das ist natürlich wichtig, ich meine, jetzt, wo ich allein wohne, ist es wichtig zu wissen, an wen ich mich mit bestimmten Problemen oder Fragen wenden muss und mich das auch zu trauen. Ich bin nach eineinhalb Jahren in eine eigene Wohnung gezogen und hatte erst noch einen ambulanten Betreuer, der sich mehrmals die Woche mit mir getroffen hat. Inzwischen schaffe ich das alles allein.

Wie erging es Dir nach dem Auszug? Ist es Dir gelungen, die positiven Veränderungen in den nächsten Lebensabschnitt mitzunehmen?

Claudia: Nach dem Auszug bin ich in eine ambulante betreute Dreier-WG gezogen. Die ersten Monate waren sehr aufregend und plötzlich hat man mehr Verantwortung für sich selbst. Das ist gerade dann nicht so einfach, wenn es mal nicht so gut läuft. Der Haushalt macht sich nicht alleine und eingekauft werden muss auch noch. Aber die Wohngruppe hat mir geholfen, den Überblick im Alltag nicht zu verlieren.
Stefan: Wie gesagt, ich wohne in meiner eigenen Wohnung. Die ambulante Betreuung direkt im Anschluss an den Auszug war noch mal wichtig für mich, ich glaube, sonst wäre das arg schwierig geworden.


Vielen Dank an Claudia und Stefan für dieses offene Gespräch.


Ansprechpartnerin:

Silke Skrastins
(Leitung Jugendhilfe)

Tel. 0551 54870-84
silke.skrastins@
ifas-goettingen.de

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